Abgeschlossenes Projekt: Abfallmanagement als Beitrag zur Energiewende

Das Bild zeigt einen Müllberg.

Das Projekt "wastEturn" hatte zum Ziel, mittels direkter und indirekter Energieeinsparungen den Beitrag der Schweizer Abfallbewirtschaftung zur Energiewende zu optimieren.

Abfall ist sowohl eine stoffliche als auch eine energetische Ressource, die einen Beitrag zur Energiestrategie leisten kann: einerseits durch direkte Energierückgewinnung (sog. Waste-to-Energy-Systeme) und andererseits durch indirekte Energieeinsparungen (durch die Wiederverwertung von Materialien und eine entsprechende Reduktion des Energiebedarfs zur Produktion neuer Güter).

Das Hauptziel des Verbundprojekts unter Leitung von Prof. Stefanie Hellweg vom Institut für Umweltingenieurwissenschaften der ETH Zürich bestand darin, den Beitrag des Schweizer Abfallmanagements zur Energiewende zu optimieren. Dazu sollten direkte und indirekte Energieeinsparungen berücksichtigt und sozial akzeptierte Strategien entwickelt werden. Die Optimierung sollte sowohl die ökologische als auch die wirtschaftliche Dimension einschliessen.

Resultate

Detaillierte Analysen zum jährlichen Energiepotenzial des Abfallmanagements in der Schweiz zeigten ein grosses Potenzial sowohl für die festen Siedlungsabfälle mit 64 PJ Heizwert als auch für den Industrieabfall aus dem chemischen und pharmazeutischen Sektor mit 4 PJ. Mit dem Ziel einer robusten Optimierung wurden Grundszenarien entwickelt, basierend auf den bestehenden Energieszenarien und ergänzt durch "Waste Storylines", die verschiedene Entwicklungen für die Abfallmengen und -zusammensetzung beschreiben. Die Storylines wurden vom Forschungsteam gemeinsam mit Experten aus der Industrie und von den Behörden definiert. Die Siedlungs- und Industrieabfallsysteme wurden anschliessend unter Berücksichtigung einer Reihe von Randbedingungen innerhalb der Grundszenarien optimiert. In allen Szenarien kann der Beitrag der Siedlungsabfälle zur Energiewende durch eine maximierte Wiederverwertung fast aller Abfallfraktionen erhöht werden. In gewissen Szenarien könnte der indirekte Energiebeitrag der Siedlungsabfälle gegenüber 2012 sogar verdoppelt werden. Die indirekten Energieeinsparungen stiegen mit der Qualität des gesammelten Materials und ermöglichten die Substitution von besonders problematischen primären Materialien. Dieses Ergebnis betont die Bedeutung einer sauberen Trennung an der Quelle und weiter entwickelter Recyclingprozesse. Die Optimierung berücksichtigte die verschiedenen finanziellen Auswirkungen, die sich daraus ergeben, dass Wiederverwertungen auch Kosten verursachen können, die durch höhere Einnahmen für zurückgewonnene Energie und Materialien sowie Gebühren oder Steuern gedeckt werden müssen. Höhere Energie- und Materialerträge können je nach künftigen Marktpreisen die Recyclingkosten kompensieren und damit eine wirtschaftlich tragfähige Recycling-Industrie ermöglichen. Bei der energetischen Optimierung des Industrieabfallmanagements in der Schweiz zeigte sich die Möglichkeit einer verstärkten Nutzung von Lösungsmitteln und Mutterlaugen als alternative Brennstoffe (+ 8 %). Bei einer lokalen thermischen Nutzung von Abfällen entfällt auch der Transport gefährlicher Chemikalien. Es zeigte sich, dass der potenzielle Beitrag von Waste-to-Energy-Systemen zur Energiewende wesentlich von der künftigen Menge und Zusammensetzung des Abfalls abhängen wird.